Israel im Krieg – 52. Tag

Die Zeit verrinnt. Es sind schon 52 Tage seit dem 7. Oktober 2023, an dem sich für die Menschen in Israel die Welt veränderte. Immer noch sind beinahe 200 entführte Geiseln im Gazastreifen. Hamas hat einige der Entführten freigelassen, im Gegenzug zu der Freilassung palästinensischer Inhaftierter, darunter auch Terroristen.

Kundgebung für die Rückkehr der Geiseln am Samstag Abend den 25.11.2023 in Tel Aviv

Am Samstagabend ging ich zur Kundgebung in Tel Aviv, am „Geisel-Platz“. Allein der Name lässt mich heulen. Wie beim letzten mal kamen auch dieses mal die Tränen. Man kann es einfach nicht fassen. Wie kann jemand Menschen entführen, die ihm nichts getan haben? Darunter Kinder, sogar Babies.

Die Hamas ist mittlerweile geübt in der Geiselnahme. Bereits 2006 hatten sie zusammen mit anderen Terrororganisationen Gilad Shalit entführt, als sie über Tunnels vom Gazastreifen nach Israel eingedrungen waren. Neben einem Entführten gab es auch zwei tote Israelis. Fünf Jahre später im Jahr 2011 wurde Gilad Shalit im Austausch gegen 1027 palästinensische Inhaftierte freigelassen, darunter auch der jetzige Anführer der Hamas im Gazastreifen, Yahya Sinwar.

Yahya Sinwar verbachte 23 Jahre im israelischen Gefängnis. Er war 1987 einer der Gründer der Hamas und wurde zum Chef des Hamas Geheimdiensts benannt, der in erster Linie andere Palästinenser umbrachte, die im Verdacht der Kooperation mit bzw. Spionage für Israel standen. Also jeder, der den Hamas-Leuten nicht geheuer war. Im israelischen Gefängnis schob er einen anderen Palästinenser in den Ofen, weil er mit den Israelis sprach. Für ihn gab und gibt es keine Gnade: wer auch nur mit Israelis spricht, ist ein Verräter.

Arabische Beduinenfrau auf der Kundgebung zur Freilassung der Geiseln: Die Hamas hatte auch Beduinen, d.h. moslemische Glaubensbrüder, in Israel mit Raketen beschossen und getötet

Dilemma

Die Hamas Terrororganisation, die den Gazastreifen (und auch die Medienberichte von dort) regiert, hatte die Geiselnahme mit in den brutalen Überfall auf Israel eingeplant. Entschuldigung, ich meine natürlich die „Befreiung Palästinas“, denn die Hamas kennt kein Israel und will das Land erobern und seine jüdische Bevölkerung ins Jenseits befördern. So steht es in der Hamas-Charta, die auszugsweise auf der Webseite von Matthias Künzel, einem deutschen Historiker mit Fokus auf Palästina, wiedergegeben wird. Wer als Deutscher diese Ausschnitte (oder die gesamte) Hamas-Charta liest, braucht sich nicht wundern, wenn große Teile davon an den Geschichtsunterricht erinnern, nämlich an den Nazionalsozialismus.

Zurück zu den Geiseln. Für eine einzige Geisel hatte Israel im Jahr 2011 sage und schreibe 1027 palästinensische Inhaftierte entlassen, darunter Terroristen, die Menschen getötet hatten. Deutschland und Ägypten waren damals die Vermittler. Die freigelassenen palästinensischen Terroristen wurden bei der Rückkehr wie Helden gefeiert. Nach der Rückkehr kehrten sie auch zu dem Beruf zurück, den sie am besten beherrschten: Terror.

Es überrascht keinen, dass auch dieses mal die Hamas die Entlassung palästinensischer Inhaftierter fordert, als Gegenzug zur Freilassung von Geiseln. Auch dieses mal wird Israel zahlreiche Terroristen, und damit sind Mörder bzw. Massenmörder gemeint, in die Freiheit entlassen, damit sie wieder aktiv gegen die Juden kämpfen können. Nebenbei bekommt die Hamas einen Waffenstillstand, während dessen sie ihre Positionen verstärken und Sprengstoff-Fallen für die israelischen Soldaten vorbereiten kann. In anderen Worten, jeder Tag, an dem „Waffenstillstand“ herrscht, wird einen Zoll an Menschenleben fordern, auf beiden Seiten. Denn die Hamas weiss, wie man Zivilisten als Schutzschilde benutzt. Sie hat keine Bedenken, ihre eigenen Mitmenschen zu opfern. Wie sagte kürzlich der Sprecher der Hamas im Zusammenhang mit der israelischen Bombardierung und den Hamas-Tunnels: „Die Tunnel sind für die Hamas-Kämpfer, für den Schutz der Zivilisten sind die Vereinten Nationen zuständig.“ Zynischer könnte man es nicht mehr ausdrücken.

Kundgebung zur Freilassung der Geiseln: Israelischer Junge appelliert für die Rückkehr seines Bruders, der von der palästinensischen Hamas entführt wurde

Obwohl der Preis für die Freisetzung der israelischen Geiseln in Hamas-Gewalt immens ist, bin ich froh darüber, dass Israel sich für das Leben entschieden hat, für die Befreiung der Entführten. Solange die Menschen in Israel für das Leben kämpfen, haben die palästinensischen Terrorgruppen keine Chance, denn sie stehen alleine für den Tod. Die Bilder und Videos dazu findet man im Internet, Copyright © 1987-2023 by Hamas.

Auf der Kundgebung in Tel Aviv waren mehr als 100.000 Menschen. Wir alle freuten uns um die Rückkehr der israelischen Geiseln, obgleich es nur wenige waren. Wir alle hoffen, dass bald alle Geiseln freigelassen werden, oder dass die Armee die Entführten befreien kann. Denn wer kann der Hamas trauen? Wird sie wirklich alle freilassen wollen. Höchstwahrscheinlich nicht.

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