Tel Aviv – das Herz der Technologienation Israel

Kürzlich verbrachte ich ein paar Nächte im Royal Beach Hotel in Tel Aviv. Vom 16. Stock aus hatte ich einen herrlichen Blick über die Tel Aviver Skyline. Und was für ein Blick: Hochhäuser so weit der Blick reicht. Tel Aviv und Umgebung steht Manhattan in nichts nach.

Technologienation

Tel Aviv 2017 – Skyline

Dies war nicht immer so. Für Tel Aviv ist das sogar ein sehr neues Phänomen. Noch vor 20-25 Jahren würde man hier kaum ein Hochhaus finden. Die wenigen, die es damals gab, könnte man an einer Hand zählen.

Woher kommt nun dieser Bauboom, der die Stadt Tel Aviv wie kaum eine andere Stadt in der Welt erfasst hat? Die Nachfrage nach Büroplätzen in Tel Aviv und Umgebung und damit die Preissteigerung für Boden und der Drang nach oben, geht Hand in Hand mit dem Wandel Israels von einem Agrarstaat zu einer Technologienation.

Bereits der Aufbau des Agrarstaates in den Jahrzehnten vor der Hightech-Wende war keineswegs das natürliche Produkt fruchtbarer Auen und üppiger Wasserreserven, sondern das Ergebnis neuer landwirtschaftlicher Technologien und Anbaumethoden. 2/3 des Landes sind Wüste, also macht man diese streng nach Ben Gurions Vision fruchtbar. Trockener Mergelboden bekommt eine Schicht gute Erde, etwas Wasser, und schon verwandeln sich die „Bad Lands“ in der nördlichen Arava-Wüste – eine Mondlandschaft ohne jegliche Pflanzen – in das fruchtbarste Anbaugebiet der Welt. 360 Sonnentage im Jahr ist die einzig natürliche Zutat zu diesem Rezept. Die dort eingesetzte Tröpfchenbewässerung spart heute nicht nur in Israel, sondern in vielen wasserarmen Ländern rund um den Globus enorme Mengen an Wasser (siehe auch Israel-gesponserte UN Resolution zur technologischen Unterstützung der dritten Welt hier und hier).

Not macht erfinderisch, heißt es. Als Charles de Gaulle unerwartet Frankreichs pro-israelische Politik in einen anti-israelischen Waffenboykott umkehrte, um Frankreich damit näher an die arabische Welt und das Ölgeschäft zu führen, hätte er nicht gedacht, dass er damit zum Vater der israelischen Hi-Tech-Industrie wurde.

Ein kurzer Hintergrund: In den 50er und 60er Jahren war Frankreich Israels wichtigster Waffenlieferant. Schon 1956 kämpften Israelis zusammen mit Frankreich und England um den Suezkanal. Am 2.6.1967, 3 Tage vor Beginn des Sechs-Tage-Kriegs, stoppte de Gaulle alle Waffenlieferungen in die Region (d.h. nach Israel), wissentlich um der Existenzbedrohung Israels. 5 Monate nach dem Krieg folgte der endgültige Schlussstrich der Beziehung: Frankreich erklärt ein Waffenembargo gegen Israel und lagert die für Israel bestimmten und bereits bezahlten 50 Mirage Kampfflieger in Frankreich ein.

Israel zog Konsequenzen daraus. Die bisher eher unbedeutende Militärindustrie wurde  ausgebaut, mit Schwerpunkt auf Technologien, die im Falle einer Auseinandersetzung Israel Vorteile verschaffen können. Israels Gegner waren stets zahlenmäßig weit überlegen, sowohl in der Truppenstärke, als auch in der Bewaffnung. Gefragt waren vor allem intelligente Waffensysteme, zum Beispiel computerunterstützte Zielerkennung und -verfolgung.

Doch entwickelt wurde nicht nur für das Militär. Zahlreiche Errungenschaften in der Verteidigungstechnik flossen schließlich in zivile Anwendungen ein. Intelligente Bilderkennung wurde beispielsweise in so verschiedenen Bereichen wie Medizintechnik (Computertomographie, MRI usw.) und automatische Leiterplatteninspektion verwendet. Israelische Unternehmen setzten auch neue Technologien in der Kommunikationstechnik ein, z.B. zur Kapazitätserhöhung von Telefonleitungen. So war es eine Technologie der israelischen Firma ECI, die die Telefonverbindung nicht nur zwischen Westberlin und Westdeutschland aufrecht erhielt, sondern Fernverbindungen weltweit.

Parallel zur Kommunikationstechnik entwickelte sich die Software-Industrie. Ob das legendäre ICQ, die Facebook-Gesichtserkennung, oder die Navigations-App Waze – sie alle sind in Israel geboren. Auch USB-Sticks (disk-on-key) wurden hier entwickelt.

Israel war und ist auch an erster Stelle in der Entwicklung von Technologie zur Sonnenenergienutzung. Bereits in den 70er und 80er Jahren entwickelte und baute Luz Industries Sonnenkraftwerke, darunter das größte Sonnenkraftwerk der Welt in Kalifornien.

Ausländische Konzerne haben das Potential erkannt. Schon früh investierten Motorola, IBM und Intel in Forschungszentren in Israel. Heute sind hier alle von Rang und Namen vertreten – Google, Microsoft, Facebook, Redhat, … die Liste geht noch lange weiter.

Viele Technologiefirmen und Software-Entwickler haben ihren Firmensitz in und um Tel Aviv herum. Man spricht hier gerne vom „Silicon Wadi“, in Anlehnung an den Begriff „Silicon Valley“. Auch wenn im Jahre 2001 der Technologiesektor weltweit und auch in Israel einen Dämpfer erhielt, konnte sich dieser unaufhaltsam weiterentwickeln. Und mit ihm die Hochhauslandschaft in und um Tel Aviv.

Viel mehr dazu in einen meiner Tel Aviv Führungen.

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