Unabhängigkeitstag

Heute feiert Israel seinen Unabhängigkeitstag. 72 Jahre ist das Land jetzt alt. Als am 14. Mai 1948 David Ben Gurion in seiner Unabhängigkeitserklärung den Staat Israel proklamierte, wusste er sehr wohl um die Gefahren und Bedrohungen, die dem Land bevorstanden. Damals wie heute ist Israel mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Doch in der zur Zeit wohl größten Herausforderung stehen wir nicht alleine, denn der Corona-Virus COV-19 bedroht die ganze Welt.

Israels Unabhängigkeitstag 2020
Israel feiert seinen 72-sten Geburtstag

Vielen von uns begegnet die Gefahr mit dem unscheinbaren Kürzel COV-19 in mehrfacher Form – physisch (unsere Gesundheit), wirtschaftlich und seelisch. Es erübrigt sich fast zu erwähnen, dass ich zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes arbeitslos bin – es gibt z.Z. nicht viel Arbeit in der Tourismusindustrie. Doch haben wir schon andere Krisen überstanden. Ich selbst kann von Hyperinflation, Kriegen, Terror, Dürre, Wirtschaftskrisen und mehr aus eigener Erfahrung erzählen.

Gehen wir zurück zu den Anfängen des Landes. Damals war die Lage hier nicht besser als heute. Einem blutigen und nur knapp überstandenen Unabhängigkeitskrieg folgte eine Welle von ca. 900.000 (jüdischen) Flüchtlingen aus arabischen bzw. moslemischen Ländern. Der Krieg und die große Zahl mittelloser Einwanderer stellten eine schwere Belastung für das kleine Land und seine Wirtschaft dar. Den Staatsmännern und -frauen jener Zeit verlangte dies mutige, unpopuläre Entscheidungen ab.

Nehmen wir beispielsweise den „Wiedergutmachungsvertrag“ zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel, der unter der Regierungszeit Adenauers bzw. David Ben Gurions zustande kam. Bundeskanzler Adenauer stoß damals auf wenig Verständnis bei der deutschen Bevölkerung, wo gerade mal 5% sich überhaupt einer Schuld bewusst waren. Für Israels Ministerpräsidenten David Ben Gurion war es nicht leichter, wo doch die Schrecken des Holocaust‘ tiefe Narben im jüdischen Volk hinterließen. Deshalb wundert es kaum, dass der damalige Oppositionsführer und spätere Likud-Vorsitzende Menahem Begin Protestkundgebungen gegen David Ben Gurion und seine Politik organisierte. Möglicherweise war er sogar verantwortlich für einen missglückten Anschlag gegen Adenauer. Doch ändert all das nichts an der Tatsache, dass durch die Zahlungen aus Deutschland zahlreichen Menschen in Israel geholfen wurde.

25 Jahre später unterzeichnete Menahem Begin, mittlerweile Ministerpräsident, den Friedensvertrag mit Ägypten. In Israel wurde Begin zurecht als Held gefeiert. Anwar el-Sadat, Ägyptens Präsident, bezahlte seine mutige Entscheidung mit dem Leben – er wurde drei Jahre später durch islamische Fundamentalisten ermordet.

Was David Ben Gurion und Menahem Begin trotz ihrer Animositäten und oft gegensätzlichen Sichtweise vereint: beide sahen die Politik nicht als Popularitätswettbewerb, sondern waren sich der großen Verantwortung gegenüber den Menschen bewusst. Sie scheuten sich nicht vor schweren und unbeliebten Entscheidungen. Und sie hatten wenig übrig für materiellen Wohlstand und Luxus und führten ein bescheidenes Leben.

Heute haben unsere Staatsmänner die einzigartige Chance, Großes zu leisten und sich einen Platz in der Geschichte zu erobern. Ihre besonnene Entscheidung kann das Leben von Tausenden retten und die Menschen wieder aus der Krise führen. Hoffen wir auf das Beste.

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