Nahal Zavitan

Nahal Zavitan („Savitan“ ausgesprochen) ist ein Bach in den Golanhöhen, zwischen dem See Genezareth und Katzrin, der „Hauptstadt“ des Golans. Der hier beschriebene Wanderweg befindet sich in dem Yehudiya-Wald Naturschutzgebiet, das größte Naturschutzgebiet in den Golanhöhen. Wenn man die Landstraße Nr. 87 von der Bethsaida-Kreuzung Richtung Katzrin und den Golanhöhen folgt, biegt man links zum Yehudiya-Park und Besucherzentrum ab.

Die natürlichen Pools entlang des Zavitan-Bachs sind bei den Einheimischen sehr populär, vor allem im Sommer

Wegen der noch geltenden Korona-Bestimmungen muss man bei vielen Parks und Naturschutzgebieten im Voraus reservieren. Außerdem ist eine kleine Eintrittsgebühr fällig. Weitere Informationen und Reservierungen auf der Webseite der Park- und Naturschutzbehörde (Englisch).

Hinweis: Der Park öffnet um 8 Uhr und je früher Sie dort sind, desto besser. Der letzte Eintritt ist 2:15 Stunden bevor der Park geschlossen wird. Die Öffnungs- und Schließzeiten sind auf der Webseite angegeben. Beachten Sie die unterschiedlichen Schließzeiten an Freitagen und an Abenden vor öffentlichen Feiertagen, sowie Sommer- und Winterzeit.

Oberer Zavitan-Rundweg

Es gibt mehrere mögliche Wanderwege entlang des Nahal Zavitan. Ich beschreibe hier den kurzen Nahal Zavitan-Rundweg. Dieser Rundwanderweg benötigt zirka 3 Stunden und wird auf der Webseite der Park- und Naturschutzbehörde als „mittelschwer“ eingestuft. Einige Kolleg(in)en und ich sind ihn letzten Sommer abgewandert. Doch haben wir wesentlich mehr Zeit verbracht – ca. 5-6 Stunden – und konnten so die Landschaft und das Wasser so richtig genießen. Wie immer empfehle ich gute Wanderschuhe und reichlich Trinkwasser, mindestens 3-4 Liter an warmen Tagen.

Auf dem schwarz markierten Pfad sehen wir einige Ziziphus-Sträucher und Christdornbäume

Nachdem wir an der Kasse zum Yehudiya-Wald unsere Eintrittskarten besorgt haben, fahren wir auf einer schmalen Asphaltstraße weiter Richtung Nordost zum Parkplatz am Anfang des Nahal Zavitan-Wanderwegs. Wir folgen dort zunächst den blauen Markierungen. Nach kurzer Zeit gabelt sich der Weg und wir folgen jetzt der schwarzen Markierung geradeaus Richtung Norden. Bis zum Zavitan-Bach ist der Wanderweg leicht und mehr oder weniger eben.

Der Zavitan-Bach – beachten Sie die Oleanderbüsche (Achtung giftig)

Meshushei Zavitan Becken

Wir überqueren den Zavitan-Bach, biegen links ab und folgen den roten Markierungen. Nach kurzer Zeit erreichen wir einen der Höhepunkte dieser Wanderung: die Meshushei-Zavitan-Becken (meshushim bedeutet „Hexagon“ auf Deutsch). Der Name stammt von den Basalt-Hexagonen, die durch das langsame Erstarren der Lava entstanden. Die Basaltsäulen sind nicht immer hexagonal, manchmal auch nur vier- oder fünfeckig. Die Meshushei-Zavitan-Becken sind nicht zu verwechseln mit dem Meshushim-Becken, das sich am gleichnamigen Bach einige Kilometer weiter befindet.

Oberer Zavitan-Bach und Meshushei-Zavitan-Becken

Das Wasser in diesen Becken ist das ganze Jahr über kalt und erreicht im Sommer zirka 18°C. Es handelt sich nämlich um Schmelzwasser vom Hermon-Gebirge. Wie man auf dem obigen Foto sieht, sind diese Becken bei Jung und Alt gleichermaßen beliebt. Nach einer Pause setzen wir die Wanderung fort. Wir überqueren den Zavitan und folgen den roten Markierungen Richtung Südwest bis zum Aussichtspunkt über dem Wasserfall.

Zavitan-Wasserfall vom Aussichtspunkt aus gesehen

Zavitan-Wasserfall und Pools

Abenteuerlich wie wir sind, steigen wir zu den Pools unterhalb des Zavitan-Wasserfalls hinab, den blauen Markierungen folgend. Der relativ steile Abstieg, der auch über eine Leiter führt, wir durch den Eintritt in ein kleines Paradies mehr als belohnt. Um den zweiten Pool und den Wasserfall zu erreichen, müssen wir noch über einige Felsen klettern, was aber nicht weiter schwierig ist. Vor uns eröffnet sich ein herrlicher Ausblick über den kleinen See und den Wasserfall.

Natürliches Wasserbecken am Fuße des Zavitan-Wasserfalls

Nachdem wir einige Zeit am Wasser ausgeruht und unsere Seele neu aufgetankt haben, gehen wir den gleichen Weg wieder hinauf.

Sheikh Hussein Ruinen

Oben angekommen, folgen wir den blauen Markierungen, die uns wieder zum Parkplatz zurückführen. Unterwegs sehen wir die Ruinen des syrischen Dorfes Sheikh Hussein. Während der 1960er Jahre waren Teile der Golanhöhen militärisches Sperrgebiet. Die syrische Armee baute dort Hunderte von Bunkern und stationierte schwere Artillerie, mit der man immer wieder die Kibbutzim und Städte in Israel beschoss. Die syrischen Ortschaften in diesem Teil halfen bei der Versorgung der Militäreinrichtungen. Während des Sechs-Tage-Kriegs im Jahre 1967 eroberte Israel die Golanhöhen und die syrischen Dorfbewohner flüchteten, wurden evakuiert oder vertrieben. Dies steht in starkem Kontrast zu den vier drusischen Dörfern im nördlichsten Teil der Golanhöhen, wo die Drusen heute immer noch leben. (Die Golanhöhen wurden 1981 im „Golanhöhen-Gesetz“ de facto von Israel annektiert.)

Sheikh Hussein, ein verlassenes syrisches Dorf in den israelischen Golanhöhen

Das Yehudiya-Wald Naturreservat hat noch weitere Wanderwege anzubieten. Außerdem findet man hier auch historische und archäologische Stätten. Die Schönheit der Natur und das üppige, kalte Wasser machen es zu einem beliebten Ziel für Israelis. Obwohl es sich nur wenige Fahrminuten vom See Genezareth mit seinen zahlreichen christlichen und jüdischen Sehenswürdigkeiten befindet, ist der Naturpark vom Tourismus praktisch unentdeckt geblieben.

Gerne führe ich Sie zu diesem und vielen anderen schönen Orten des Landes.

Bis bald in Israel,

Heiko Sieger

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